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Mittwoch, 21. Juni 2017

HARPYIE / "Anima" / Label: Metalville / 12 Tracks / 52:02 Min

Wirklich reich ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann (Hans Kruppa).

Da ist sie wieder, die westfälische Wundertüte, mit der man in der Vergangenheit nicht so recht wusste, was damit anzufangen wäre.
Von schrägem Gesang, der oftmals etwas von Blindflug hatte, über Songstrukturen, die jeder Freakshow gerecht wurden, bis hin zu feinstem Mittelalter Liedgut - die fünf Troubadoure taten in der Vergangenheit wirklich alles, um die Konfusion in unserer Redaktion perfekt zu machen, wie man so was denn bitteschön fair bewerten solle.
Vor allem die Sangesleistungen von Aello hinterließen jedes Mal aufs Neue, übelste Magenverstimmungen.

Nun also Album Nr 4: "Anima".
Und, um es vorweg zu nehmen, es geschehen noch Zeichen und Wunder.
Keine Ahnung in welchen Zaubertrank-Kessel Aello gefallen ist, plötzlich trifft der Mann (meistens) die Töne.
Doch damit nicht genug, auch beim Songwriting haben HARPYIE einen Quantensprung hingelegt und schütteln mit "Anima" mal ebenso, als wäre es für die Truppe die normalste Sache der Welt, ein Album aus dem Ärmel, das mit sich absolut im Reinen ist und obendrein auch noch mit einer Handvoll Hits aufwarten kann:

-"Rasputin" - folkloristisch angehauchter Ohrwurm
-"Berserker" - gesunde Härte trifft Mittelalter
-"Totem" - Abwechslung wird hier groß geschrieben
-"Dynamit" - flotte Nummer, mit einer kleinen Portion Brachialität.
-"Schöne neue Welt" - Eine Mid-Tempo Nummer, die in bester SUBWAY TO SALLY Manier schön das Tanzbein in Schwingung versetzt.

Da auch der Großteil der weiteren Songs zu gefallen weiß, die Produktion amtlich ausgefallen ist und es endlich mal eine Harpyie auf das Coverartwork geschafft hat, zeigt der Bewertungs-Daumen diesmal eindeutig nach oben. Na also, geht doch! (JK)
 

8 von 10

http://www.harpyien.de/
https://www.facebook.com/harpyien/?fref=ts

Samstag, 17. Juni 2017

Vorankündigung: SAINT HELENA FESTIVAL VII - 24.6.2017 München/Feierwerk

http://www.feierwerk.de/

ASTRAL DOORS / Black Eyed Children" / Label: Metalville / 10 Tracks / 51:22 Min

Stil ist der äußere Ausdruck einer inneren Harmonie der Seele (William Hazlitt).

Die Schweden ASTRAL DOORS haben sich, seitdem sie 2002 mit ihrem von Ronnie James Dio beeinflussten Heavy Metal/Hard Rock auf der Bildfläche erschienen sind, nicht nur zu einer der besten Bands dieses Genres entwickelt, sondern auch zu einer verlässlichen Konstante in unserer schnelllebigen Zeit.
Sieht man mal vom Tausch an der Bassgitarre 2009 und dem Ausstieg von Klampfer Martin Haglund im Jahre 2010 ab, haben ASTRAL DOORS schon über Jahre hinweg ein festes Bandgefüge.
Auch musikalisch haben sich die Schweden nie verbiegen lassen und sind zu keiner Zeit einem Trend hinterher gelaufen, der (vielleicht) kurzfristig etwas mehr Aufmerksamkeit und/oder Wertschätzung eingebracht hätte.
Stattdessen haben ASTRAL DOORS darauf gesetzt, dass sich Fleiß, Linientreue und Professionalität irgendwann bezahlt machen werden.

Wer den Werdegang der Band die letzten Jahre über verfolgt hat, kann bestätigen, dass die musikalische Entwicklung von ASTRAL DOORS eigentlich nur einen Weg kannte - steil nach oben.
Schwache Veröffentlichung gibt es nämlich schlichtweg keine in der Vita von ASTRAL DOORS, da stellt der neueste Output "Black Eyed Children" auch keine Ausnahme dar.
Da ist es dann auch egal, ob man sich das wuchtige "We Cry Out", das etwas aus der Reihe tanzende "Suburban Song" (EUROPE lassen grüßen), oder die Hitnummer des Albums "Tomorrow's Dead" reinzieht, eines ist gewiss: ASTRAL DOORS wissen zu gefallen.
Wer hart arbeitet, sich ständig auf hohem Niveau bewegt und auch sonst keine Angriffsfläche bietet, der sollte eigentlich, so sollte man meinen, doch irgendwann dafür einen verdienten Lohn einfahren können.
Doch hier krankt leider die Erfolgsgeschichte von ASTRAL DOORS. Die Truppe um Nils Patrik Johansson, ist nähmlich (unverständlicher Weise) immer noch eine der unterbewertesten Bands dieses Planeten.
Ein Umstand, der schnellstens geändert gehört!

Fazit: Auch wenn das Coverartwork zu düster ausgefallen ist und sich mit "Lost Boy" und "Slaves to Ourselves" zwei schwächere Songs eingeschlichen haben, ist "Black Eyed Children" mit Sicherheit ein Zugewinn für jede gepflegte Heavy Metal/Hard Rock Sammlung.
Gebt euch also einen Ruck und unterstützt diese großartige Band. (JK)

8 von 10

http://www.astraldoors.com/
https://www.facebook.com/Astraldoorssweden/ 

Freitag, 16. Juni 2017

Konzertbericht THULCANDRA + NAILED TO OBSCURITY - 15.5.2017 München/Backstage



Ascending Delusion Tour 2017 - THULCANDRA + NAILED TO OBSCURITY

Nachdem THULCANDRA im letzten Jahr noch als Einheizer auf der gemeinsamen Tour mit SECRETS OF THE MOON und DøDHEIMSGARD fungiert haben, fahren die Münchner DISSECTION-Erben in diesem Jahr eine eigene, kleine Headliner-Tour durch österreichische und deutsche Clubs.
Selbstverständlich darf dabei ein Stopp in heimatlichen Gefilden, genauer gesagt im Münchner Metal Tempel, dem Backstage, nicht fehlen.

Als NAILED TO OBSCURITY leicht verspätet gegen 20.15 Uhr die kleine Bühne betreten, tobt sich draußen gerade ein heftiges Gewitter aus und lässt dabei sinnflutartige Wassermassen herabregnen. Dieser Umstand und die Tatsache, dass der Gig an einem Montag Abend stattfindet, müssen als Erklärungsversuch herhalten, warum der heutige Abend mit maximal 60 zahlenden Zuschauern auskommen muss.
Wer da ist, freut sich zum einen, dem Starkregen entkommen zu sein und erfreut sich zum anderen an der überzeugenden Darbietung der fünf Niedersachsen, die neben einem Top-Sound auch schon mit der vollen Lightshow (inkl Rauchsäulen) aufwarten kann.
NAILED TO OBSCURUTY (© by metal-is-forever)
 Denoch mag nicht so richtig Stimmung aufkommen. Während des gesamten Auftritts von NAILED TO OBSCURITY achten die Zuschauer penibel darauf, den selbst auferlegten "Sicherheitsabstand" zur Bühne einzuhalten. Auch Bewegunstechnisch ist relativ wenig los im Publikum, ja nicht einmal zu dezentem Haareschütteln wollen sich die Anwesenden hinreißen lassen.
Und trotzdem genießen die Zuschauer sichtlich den Auftritt der Ostfriesen, nur eben auf eine andere, nicht unbedingt metal-typische Art und Weise.
Wie bei einem spannenden Vortrag, bei dem man kein(e) Wort (Note) missen möchte, stehen sie da und nehmen andächtig jede Textzeile und jedes Riff in sich auf und entschwinden in den atmosphärischen Klangwelten, die NAILED TO OBSCURITY bereitstellen.
Eine Stunde hält dieser besondere Moment, einer mehr als interessanten Band an, dann räumen NAILED TO OBSCURITY unter Applaus die Bühne und machen Platz für den Headliner.

Nach einer angenehm kurz gehaltenen Umbaupause von nicht mal 15 Minuten wird die Bühne in blaues Licht getaucht und mit Kunstnebel ausstaffiert. Wenige Momente später gehen THULCANDRA ohne Vorgeplänkel (Intro, Begrüßung etc.) mit "Black Flags of Hate" direkt in die Vollen, dem sofort "Throne of Will", vom immer noch aktuellen 2015er Release ("Ascension Lost"), nachgeschoben wird.                             
THULCANDRA (© by metal-is-forever)
Mit vier Titeln von besagtem Album dominiert die letzte Veröffentlichung die heutige Setlist. Neben bereits erwähntem "Throne of Will", kommen auch noch "The Second Fall", "Sorrow of One" und "Deliverance in Sin and Death" im Verlauf der Show zu Live-Ehren, was für ordentlich Alarm unter dem verlesenen Publikum sorgt. Richtig wild vor der Bühne wird es jedoch eher bei den etwas älteren Titeln. Vor allem bei "Frozen Kingdom" und "Under a Frozen Sun" (welches es seit längerer Zeit endlich mal wieder auf die Setlist geschafft hat)  kommt mächtig Stimmung auf, fliegende Matten inklusive.
Die Parallelen zu DISSECTION im Sound von THULCANDRA sind allgenwärtig und geben den Eigenkomposition nicht nur auf Platte/CD den besonderen Kick. Auch live funktioniert die Sache bestens, was stimmungsvolle und schweisstreibende 60 Minuten eindrucksvoll beweisen.
Abgerundet und beendet wird der Auftritt, wie sollte es anders sein, mit einem "Night's Blood" Cover, bei dem THULCANDRA die DISSECTION Gedächtnis-Sense in Reinkultur kreisen lassen und ein letztes fettes Ausrufezeichen hinter dem heutigen Abend setzen. (JK)

Freitag, 9. Juni 2017

SIX FEET UNDER / "Torment" / Metal Blade Records / 12 Tracks / 46:59 Min

Toren sind's, die von ewiger Liebe schwatzen. Ewiges Einerlei widersteht, Veränderung nur ist das Salz des Vergnügens (Friedrich Schiller).

Heute schon in Blut gebadet, oder in Gedärmen gewühlt? Nein? Na dann kommt "Torment" gerade recht, um den Death Metaller seine tägliche Dosis Gore, Splatter und Horror zu verpassen.

Seit nunmehr 24 Jahren brüllt sich Chris Barnes bei SIX FEET UNDER  nun schon nuschelnder Weise durch die groovenden Abgründe menschlicher Machart und hat in dieser Zeit mehr als eine Abrißbirne auf die Menschheit losgelassen.
Wenn man sich bei den zurückliegenden 11 SIX FEET UNDER Alben und 4 Graveyard Classics auf was verlassen konnte, dann darauf, dass 6FU einem immer schön trocken den Schädel gespalten haben und sich dabei angehört haben, wie anno dazumal als Hammer und Face noch eine Symbiose eingegangen sind. Auch beim  CD/LP Coverartwork hat man immer schön an altbewährten festgehalten und die Farbpalette höchstensmal neben Schwarz um (Dunkel-)Rot erweitert.
Und dann kommt "Torment" ohne Vorwarnung um die Ecke, macht das profane "Weiß" im Todesblei-Sektor salonfähig und bringt ganz nebenbei auch noch, musikalisch gesehen, etwas frischen Wind in den muffigen Folterkeller.
Als erstes fällt auf, dass SIX FEET UNDER auf "Torment", im Vergleich zu früheren Alben, den beiden neuen Gitarristen (Ray Suhi & Jack Owen) mehr Freiraum für technische Raffinessen eingeräumt haben. Dem Oldschool-Fetischisten muss deswegen aber jetzt nicht gleich der Angstschweiß ausbrechen, immer noch sind 6FU fest im Oldschool Death Metal verwurzelt.
Nächste "Neuerung" bei SIX FEET UNDER ist der Sound, der diesmal so druckvoll und klar wie selten zuvor, den Kompositionen mitgegeben wurde.
Beide Punkte zusammen, plus die neue Besetzung (u.a. ist Tieftöner Jeff Hughell wieder mit an Bord) und die Tatsache, dass es Chris Barnes nach längerer Zeit mal wieder geschaftt hat, den Songs, zumindest einigen, Wiedererkennungswert und Feuer einzuhauchen, macht aus dem 12. Studioalbum der Florida Deather, eines der besseren der Neuzeit, auch wenn sich ein paar Lückenfüller mit eingeschlichen haben.

Fazit: Nachdem Chris Barnes in den letzten Jahren, gerne mal nach Schema F vorgegangen ist und die letzten Alben deswegen eher unscheinbar (Ausnahme "Death Rituals") rüberkamen, scheint ihm die neuerliche Frischzellenkur, was die Band-Besetzung betrifft, sichtlich gut getan zu haben.
Zum ersten mal seit längerer Zeit spürt man bei SIX FEET UNDER, dass die Truppe wieder Feuer im Hintern hat. Die Tage, in denen man es sich mehr oder weniger, im Ruhm vergangener Tage, gemütlich gemacht hat, scheinen vorüber zu sein. (JK)

Anspiel-Tipps: "Exploratory Homicide", "Roots of Evil", "Schizomaniac", "Slaughtered as They Sleept"

7.5 von 10

BULLET PROOF "No One Ever"


Montag, 22. Mai 2017

Konzertbericht MONO INC. + PALAST - 29.4.2017 München/Backstage

MONO INC. auf  "Together Till the End" Rundreise durch die Republik

Gothic Rock ist heutzutage eigentlich eher eine Nischenmusikrichtung. Dennoch gibt es immer wieder Bands aus diesem Genre, die es schaffen, ein breiteres Publikum anzusprechen. Eine dieser Bands sind MONO INC. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass sich an diesem Abend sehr viele unterschiedliche Leute vor dem Münchner Backstage eingefunden haben. Von Gothics, über Metaller, bis hin zu "Normalbürgern" ist alles vertreten, ja sogar Familien mit Kindern werden gesichtet.

Was nach dem Betreten der Halle dann als erstes auffällt, ist, dass vor der Bühne eine mehrere Meter lange Plattform in den Zuschauerraum ragt. Sehr ungewöhnlich für das Backstage, scheint aber typisch für MONO INC. zu sein. Leider verkleinert das aber den Platz vor der Bühne stark.
Als Einheizer haben MONO INC. die Berliner Band PALAST aufgeboten. Eine Truppe, die noch relativ unbekannt ist und heute, musikalisch gesehen, wohl eher als "unpassend" einzuordnen sein dürfte. Ob das mal gut geht?

Die erste "Enttäuschung" folgt dann auch auf dem Fusse. Auf der Bühne steht kein Schlagzeug, sondern nur verschiedene Keybords und Synth-Pads. Ergo: Hier gibt es wohl keinen Rock zu hören.
                                                 

PALAST (© by The Discovered Land)
Nachdem die drei Berliner die Bühne betreten, bestätigt sich dieser Verdacht, denn PALAST sind eher der elektronischen Musik, als der schwarzen Szene zuzuordnen. Zur großen Überraschung einiger Fans, die die Band vorher nicht kannten, steht hier HELLOWEEN-Gitarrist Sascha Gerstner am Mikro. Sein Gesang kann aber zu Beginn der Show nicht wirklich überzeugen, denn der erste Song besteht zum Großteil nur aus der häufig wiederholten und schön monoton vorgetragenen Textzeile "Shut the Door". Grenzwertig! Die Musiker haben aber offentsichtlich Spaß an dieser Nummer. Jedoch können sie mit ihrer für ein Rockkonzert doch eher untypischen Musik nicht so sehr beim Publikum punkten und ernten hauptsächlich Höflichkeitsapplaus. Im weitern Verlauf der Show ändert sich daran nur wenig.
Dank einer gut geplanten Setlist können sie sich aber zumindest bei jedem Song etwas steigern und so etwas für Stimmung sorgen. Die aktuelle Single "Mirror, Mirror" kommt sogar richtig gut an.
Danach ist aber auch schon Schluß, und PALAST machen zur Erleichterung vieler Fans, die mit der elektronischen Musik rein gar nichts anfangen können, die Bühne frei für MONO INC.

Die Bühne ist in Form eines alten Schiffs gebaut, inklusive Segeln, die mit dem MONO INC.-Logo bedruckt sind, funktionstüchtigen Laternen und (Pyro-)Kanonen neben dem Schlagzeug.
MONO INC. (© by The Discovered Land)
Als dann endlich das Intro ertönt, wird die Bühne in Nebel getaucht, was einen sehr stimmungsvollen, düsteren Anblick ergibt. Perfekte Voraussetzungen also für den Gothic Rock von MONO INC., die mit  "Together Till the End" eröffnen. Der Sound ist super, und die Band wird von den Zuschauern mit lautem Applaus begrüßt. Nach einem weiteren neuen Lied, spielt die Band mit "Arabia" den ersten Hit des Abends. Leider ist hierbei die Stimme von Schalgzeugerin Katha Mia, die einen Großteil des Refrains singt, fast nicht zu vernehmen. Allerdings wird dies durch die mitsingenden Fans wieder ausgeglichen. Zu "Never-Ending Love Song" greift Sänger Martin Engler zur Gitarre.                                                                           
MON INC. (© by The Discovered Land)
Danach folgt der erste richtige Höhepunkt: "Across the Waves". Hierzu verlässt die Band die Bühne, da das Lied neben dem Gesang nur Keyboard und Trommeln enthält. Während das Keyboard vom Band kommt, werden die Trommeln live von mehreren in lange Mönchskutten gekleideten Trommlern gespielt. Martin Engler erhält ein Schiffssteuerrad vorne an der Bühne, und singt in Nebel gehüllt das Lied, dass sich mit der Flüchtligsthematik beschäftigt. Gänsehaut pur!
Da das erstmal nicht zu toppen ist, gehen die nächsten Songs leider etwas unter. Interessant wird es erst wieder bei "Forgiven", zu dem der Frontmann einen irren Priester, samt dazu passendem Kostüm, spielt. Anschließend erzählt er eine kurze Geschichte über einen Fan, der beim Fantreffen von MONO INC. einen Auftritt mit der Band gewonnen hatte, und von einem zufällig anwesenden Labelchef direkt einen Plattenvertrag erhielt. Eben dieser Fan wird dann auf die Bühne geholt und darf den MONO INC. Song "Potters Field", sowie die BLACK Coverversion "Wonderful Life" mit der Band singen. Die tolle Stimme von Major Voice, so sein Künstlername, löst im Publikum Begeisterungsstürme aus. Respekt!
MONO INC. (© by The Discovered Land)
Weiter geht's. Und diesmal kann die Band das Level halten, denn mit "Symphony of Pain", "Gothic Queen" und "Children of the Dark" folgen drei Bandhits. Bei letzterem gibt es noch minutenlange Fanchöre, die den eingänigen Refrain weitersingen. Beim Anleiten dieser Chöre betritt Martin Engler endlich auch mal die Plattform, die bisher eher mit Missachtung gestraft wurde. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, auf diesen Gimmick zu verzichten.
Mit "After the War" folgt dann der letzte Song, nach dem MONO INC. die Bühne verlassen und erst nach einer gefühlten Ewigkeit für die Zugabe wieder zurückkehren.
Diese besteht dann zunächst "nur" aus "Kein Weg zu weit" und dem wohl bekanntesten Song "Voices of Doom", der von Fans begeistert abgefeiert wird. Hier war eigentlich der finale Akkord eingeplant. Da die Fans danach aber noch immer keine Ruhe geben, kehrt die Band auch noch ein zweites Mal zurück auf die Bühne, und spielt den, nun wirklich, letzten Song ("Get Some Sleep") des Abends. (RH)

Bei MONO. INC und PALAST waren Raphael (RH) und Thomas (TG) für euch vor Ort.

Freitag, 19. Mai 2017

HERETOIR / "The Circle" / Label: Northern Silence Productions / 11 Tracks / 65:37 Min

Unsere Toten leben fort in den süßen Flüssen der Erde, kehren wieder mit des Frühlings leisem Schritt, und es ist ihre Seele im Wind, der die Oberfläche der Teiche kräuselt (Seattle / Indianer Häuptling).

Die Augsburger Post Black Metaller HERETOIR sind nicht gerade von der schnellen Truppe, zumindest wenn man den Abstand zwischen Debütalbum und Zweitlingswerk als Maßstab nimmt.
Ganze 6 Jahre haben sich Eklatanz und seine Mitstreiter Zeit gelassen, um den Nachfolger des selbstbetitelten Debüts auf den Weg zu bringen. Doch wie es scheint, haben HERETOIR die Zeit gut genutzt, ist auf "The Circle", im Vergleich zu "Heretoir", doch eine deutliche Leistungsteigerung auszumachen.
Ich würde sogar soweit gehen, dass HERETOIR mit "The Circle" sich nicht nur von ihren großen Vorbildern ALCEST emanzipiert haben, sondern sie momentan auch überflügelt haben, auch wenn man beiden Bands nicht 1:1 miteinander vergleichen kann.
Ein Umstand, der Neige, der übrigens bei "Laniakea Dances (Soleils Couchants)" als Gastsänger zu hören ist, sicherlich nicht schmecken dürfte, hat er doch selbst mit "Kodama" ein heißes Eisen im Feuer.
Doch, während "Kodama" teilweise immer noch mit den einschläfernden "Shelter"-Nebenwirkungen zu kämpfen hat, kommt "The Circle" knackig und frisch daher und verheddert sich nur seltenst in schwer nachvollziehbaren Shoegaze-Experimenten, sodass das Label Post Black Metal hier immer noch gerechtfertigt ist.
Und das, obwohl das Album mit dem verträumten Intro "Alpha" und dem elegischem Opener "The White" alles andere als optimal startet.
Doch was dann folgt ist ein kustvolles Gesamtbild, an dem man sich (im übertragenden Sinne) kaum sattsehen kann oder treffender ausgedrückt, nur schwerlich satthören kann.
Kunst, die sowohl in dunklen, teilweise sogar tiefschwarzen Farben ein klares Bild zeichnet, aber eben auch die ganze Palette sämtlicher Pastellfarben einzusetzen weiß.
Am besten lässt sich "The Circle" mit einem aufziehenden Frühlingssturm vergleichen, der auf der einen Seite noch frostige Temperaturen und starke Böen mit sich bringen kann, auf der anderen Seite aber auch für das Erwachen der Natur steht und schon den ein oder anderen wärmenden Sonnestrahl in sich trägt. (JK)

9 von 10

https://www.facebook.com/heretoir/
https://myspace.com/heretoir
http://www.northern-silence.de/

Dienstag, 16. Mai 2017

Konzertbericht GHOST + ZOMBI - 23. April 2017 - München/Zenith

Die Geister die ich rief ...

Wenn an einem Dienstag Abend, im sonst eher ruhigen Münchner Stadtteil Freimann, unzählige schwarz gekleidete Personen, Richtung Lilienthalallee marschieren, gibt es nur eine Erklärung dafür: Eine namhafte Metal-Band ist in der Stadt und lockt die Massen ins Zenith.

GHOST sind eine dieser z.Zt. schwer angesagten Bands. Die schwedische Truppe um Papa Emeritus III hat sich im Lauf der Jahre eine breite Fanbase erspielt und bekommt inzwischen auch die etwas größeren Hallen voll.

GHOST (© by metal-is-forever)
Ursprünglich war das direkt nebenan liegende (kleinere) Kesselhaus als Veranstaltungsort beworben worden. Kurzfristig, wohl Aufgrund guter Vorverkaufszahlen, wurde der Gig dann ins 6000 Nasen fassende Zenith verlegt. Ein Fehler wie sich herausstellen sollte.

Denn als die "Vorband" ZOMBI pünktlich um 20 Uhr anfängt, mit ihrem monoton wirkenden Synthiegeblubber, die Zuschauer systhematisch einzuschläfern, ist die Halle höchstens zur Hälfte gefüllt. Viel mehr sollten es aber auch später nicht werden - Klassischer Fall von verzockt.
All jene, die in weiser Vorahnung aber erst zum Headliner erschienen sind, haben in Anbetracht der auf der Bühne gebotenen Grütze alles richtig gemacht.
Selten zuvor, nein, noch nie, habe ich ein solch unpassendes und langweiliges Vorprogramm über mich ergehen lassen müssen. Ohne Übertreibung, dies waren die längsten 45 Minuten meines Lebens - ich bekomm' jetzt noch Plaque, wenn ich bloß daran denke!

Deshalb schnell weiter im Text mit GHOST:

Die lassen allerdings auf sich warten. Sehr zum Ärger der zahlenden Kundschaft.
                                                                               
GHOST (© by metal-is-forever)

Als nach kurzer Umbaupause gegen 21 Uhr die Hallenbeleuchtung ausgeschalten wird, brandet sofort Jubel auf, da jeder damit rechnet, dass Papa Emeritus III und seine neu zusammengestellte Nameless-Ghoul-Truppe in Inbegriff ist, die Show zu beginnen.
Doch Pustekuchen. Ganze 15 Minuten wird die Halle mit einem Endloss-Intro aus der Konserve beschallt, ohne das sich auf der Bühne etwas abspielt. Nachdem das Publikum in den ersten 5 Minuten noch andächtig dem Intro gelauscht und den Räucherstäbchen beim Verglühen zugeschaut hat, steigert sich der Unmut nun von Minute zu Minute und gipfelt in einem immer lauter werdenden Pfeiffkonzert. Kurz bevor das Publikum richtig ungemütlich wird, erbarmen sich GHOST endlich und eröffnen mit "Square Hammer" den Maskenball.
Es genügen wenige Momente vom Opener und das Publikum steht wieder geschlossen hinter GHOST. Vergessen sind das nervtötende Vorprogramm und die überlange Intro-Warteschleife.
GHOST (© by metal-is-forever)

Bei glockenklarem Sound liefern GHOST in den folgenden 75 Minuten genau das ab, wonach der Fangemeinde der Sinn steht und weshalb selbige der Truppe seit Jahren die Stange halten - eine perfekt durchorganisierte Bühnenshow, bei der die Menschen im Auditorium nicht nur einmal mit eingebunden werden, und natürlich der nicht zu verachtenden musikalischen Kost.
Mit einer bunt durchgemischten Setlist decken GHOST heute Abend alle Schaffensphasen ihrer nunmehr schon acht Jahre andauernden Erfolgsgeschichte ab und erfreuen dabei nicht nur den Verfasser dieser Zeilen, mit der für die Band typischen stilistischen Bandbreite.
Papa Emeritus III lebt dabei sein Multitasking-Talent aus und kann neben seiner Haupttätigkeit als Sänger, auch als Moderator, Quizmaster, Vortänzer und Geschichtenerzähler überzeugen.   
      

Aber auch die Nameless-Ghouls werden showtechnsich miteingebunden und dürfen das ein odere andere mal alleine im Scheinwerferlicht zeigen, was sie können.
So vergeht die Zeit wie im Flug und ehe man (oder Frau) sich's versieht, ertönt auch schon der letzte Song des Abends: "Monstrance Clock".
GHOST (© by metal-is-forever)
Nach dem letzten Akkord des Abends beschenken sich Publikum und Band dann noch gegenseitig - Papa Emeritus III und seine Mitstreiter verteilen Plektren in rauen Mengen und das Publikum spendet großzügig langanhaltenden Applaus.
Am Ende bleibt einzig und allein der Auftritt von GHOST in Erinnerung. Über alles was davor im Zenith zu sehen und zu hören war, möge sich bitte schnell der Mantel des Vergessens legen. (JK)