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Dienstag, 15. August 2017

CUSTARD / "A Realm of Tales" / Label: Pure Steel Records / 12 Tracks / 55:21 Min

Es geht mit Geschichten wie mit vielen Menschen, sie werden mit zunehmenden Alter schöner und schöner, und das ist erfreulich. (Hans Christian Andersen)

Es geschah vor gar nicht all zu langer Zeit, da trafen sich vier Musikanten und ein Barde im beschaulichen Herne, um auszuloten, ob, und wenn ja, welche Magie vom Märchen heutzutage noch ausginge.
Tag ein, Tag aus, saßen sie beisammen und wollte keine Antwort finden, als ihnen des nächtens plötzlich die Schutzheiligen des Heavy Metal erschienen, um ihnen eine Frage zu stellen: "Nennt uns ein Märchen, welches ohne Mystik, phantastische Wesen oder Zauberei auskommt."
Da fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen - bis heute gibt es immer noch keine Geschichten, die mehr verwunschene und magische Momente in sich bergen, als die Märchen. Und da dies so ist, war es längst überfällig, ein (Metal-)Album aufzunehmen, das die Geschichten aus vergangenen Tagen in den Mittelpunkt stellt: "A Realm of Tales"

Der thematische Rahmen wäre also abgesteckt, werfen wir nun einen Blick auf das musikalsiche Gewand und spitzen dabei die Ohren.
Nach einem atmosphärischem Intro blasen CUSTARD zur Jagd auf die Schneekönigin: "Queen of Snow" führt die bewährte Mischung aus knackigen Power-Metal Klängen und eingängigen Melodien weiter, die die Truppe aus Herne seit jeher auszeichnet. Der Refrain frisst sich zudem ohne Umwege direkt ins Hirn und nistet sich dort ein - starker Auftakt!
Nachdem der Opener sich noch im Fahrwasser alter STORMWITCH bewegte, kehren CUSTARD in der Folge zu ihrem für sie typischen Stil-Mix zurück, der bekanntermaßen irgendwo zwischen PRIMAL FEAR und HELLOWEEN (ohne das Fanfaren- und Kinderchorgedöns) einzuordnen sein dürfte.
"The Pied Piper" leiht sich dann auch gleich mal, in leicht abgewandelter Form, das Opening-Riff von "Future World" aus und entwickelt sich in den nächsten fünf Minuten zu einer "We Love the Pumpkins" Hommage.
Nach dem orientalisch angehauchtem "Arabian Nights", folgt mit dem flotten "Snow White" der nächste Klopper alter Hamburger Schule. Ohne zu übertreiben, bis hier hin genügt das gebotene internationalen Ansprüchen.
Die zweite Albumhälfte eröffnet dann abermals mit einem kurzen Intro, nach dem CUSTARD den (Semi-)Balladenfreunden aufspielen: "The Little Match Girl" überzeugt zu Beginn mit viel Gefühl, verliert hinten raus aber etwas an Authenzität.
Mit "Daughter of the Sea" werden wieder etwas härtere, aber nicht minder eingängigere Töne angeschlagen. Trotzdem kann dieser Song nicht ganz mit den Glanzlichtern vom Anfang des Albums Schritt halten.
"Witch Hunter" fällt im Vergleich zum restlichen Material sogar noch etwas mehr ab.
Nach der kleinen Schwächeperiode kann "Sign of Evil" hingegen wieder überzeugen. Nach verhaltenem Beginn, nimmt dieser Track im Verlauf schön Fahrt auf, ehe er im Refarin melodisch explodiert.
Und das abschließende "Forged in Fantasy" ruft dann noch GAMMA RAY in den Sinn und lässt das Album so enden, wie es begann - hochklassig.

Fazit: Mit "A Realms of Tales" haben CUSTARD ein Album abgeliefert, dass auch nach dem x-ten Hördurchlauf nicht langweilig wird. Abgesehen vom ein oder anderen Hänger in der Mitte des Albums, hat der sechste Longplayer von CUSTARD ansonsten alles, um in Konzert der Großen mitspielen zu können. (JK)

8 von 10

Samstag, 5. August 2017

BLACK MESSIAH / "Walls of Vanaheim" / Label: Trollzorn / 15 Tracks / 72:15 Min

Das ist mein Streit: Sehnsucht geweiht, durch alle Tage schweifen. Dann, stark und breit, mit tausend Wurzelstreifen tief in das Leben greifen - weit aus dem Leben reifen, weit aus der Zeit (Rainer Maria Rilke).

Neo-Vikinger aller Länder vereinigt euch - BLACK MESSIAH sind zurück.

Die Gelsenkirchener Pagan-Horde um Mastermind Zagan läßt auf "Walls of Vanaheim" nicht nur den zweiten Vanenkrieg wieder aufleben (musikalisch gesehen), sondern hat mit dem zweiten Konzeptalbum der Bandhistorie, nach dem etwas schwächeren Vorgängeralbum ("Heimweh"), wieder zurück zu alter Stärke gefunden - Odin sei Dank!

Die Einleitung und die Übergänge zwischen den einzelnen Tracks werden von Tom Zahner gesprochen, der die Text-Passagen, Dank seiner Betonung und seiner eindringlichen Stimmfarbe, zu einem Hörerlebnis der ebsonderen Art macht.
Wie schon auf "First War of the World" und "The Final Journey" pendeln BLACK MESSIAH auch auf der neuesten Veröffentlichung sprachlich zwischen Englisch und Deutsch, was zugegebenermaßen nicht nur etwas irritierend wirkt, sondern insgesamt eher hinderlich als förderlich eingestuft werden muss, zumindest was den Spannungsaufbau betrifft.
Bis auf diesen "Gimmick" gehen Musik und Text  auf "Walls of Vanaheim" aber ansonsten eine perfekt aufeinander abgestimmte Symbiose ein, die momentan im ihresgleichen suchen dürfte, im Pagan-Sektor.
Wobei BLACK MESSIAH ihre Vorstellung von Pagan-Metal auf "Walls of Vanaheim" noch ein Stückchen weiter reformiert haben, als auf den beiden direkten Vorgängeralben ohnehin schon. So gibt es zwei "Neuerungen", die beide den Fans der ersten Stunde, weniger, bis gar nicht schmecken dürften, der restlichen Hörerschaft aber runtergehen dürfte wie Öl.

Das BLACK MESSIAH sich peu a peu vom Black Metal der Anfrangstage verabschiedet haben, dürfte sich inzwischen rumgesprochen haben. Realtiv neu ist allerdings, dass sich BLACK MESSIAH inzwischen weit offen für Einflüsse aus dem Power-Metal präsentieren.
Wobei die Gelsenkirchener immer noch Lichtjahre von der Einstufung als Power-Metal Band entfernt sind, sodass die mit Trinkhorn bewaffnete Anhängerschaft wieder beruhigt durchatmen darf. Vor allem, wenn am Ende das wohl beste BLACK MESSIAH Album der Neuzeit dabei herausgekommen ist.

Tracks wie beispielsweise "Mime's Tod", "Die Bürde des Njörd" und "A Feast of Unity" legen davon eindrucksvoll Zeugnis ab und heben BLACK MESSIAH auf eine neue Ebene - eine sowohl heidnisch/atmosphärische, als auch eingängig/verspielte Ebene.

8.5 von 10

https://www.facebook.com/BlackMessiah666
http://www.trollzorn.de

Freitag, 28. Juli 2017

CARACH ANGREN / "Dance and Laugh Amongst the Rotten" /Label: Season of Mist / 9 Tracks / 41:17 Min

Du bist nicht tot. Du kommst auf einem anderen Weg, aus anderen Häfen zum Ufer, nicht hier. Nur so kommst du dahin, wo du kannst, was du willst (Dante Alighieri).

Die Storyteller des Horror Metal / Black Metal sind zurück: CARACH ANGREN.
Die Niederländer erzählen auf "Dance and Laugh Amongst the Rotten" die Geschichte eines Mädchens, welches zu viel Zeit mit seinem Ouija-Bord (Hexenbrett) verbringt und mit den Auswirkungen ihres Handels zurechtkommen muss.

Momentan gibt es wohl kaum eine zweite Metalband, die sich textlich so phantasievoll und komplex auszudrücken vermag wie CARACH ANGREN, da stellt der fünfte Longplayer des Trios aus der niederländischen Provinz Limburg auch keine Ausnahme dar, auch wenn der Gruselfaktor diesmal etwas dezenter als noch zuvor ausgefallen ist.
Denoch ist es auch diesmal wieder faszinierend, sich in CARACH ANGREN's Phantasie-Welten fallen zu lassen und darauf zu warten, wie der Horror langsam aber sicher von einem Besitz nimmt.

Dass "Dance and Laugh Amongst the Rotten" trotzdem nicht als Gesamtkunstwerk in die Annalen eingehen wird, liegt daran, dass es CARACH ANGREN auf ihrem fünften Longplayer nicht geschafft haben, Musik und Lyrik auf dem selben Niveau ins Ziel zu bringen.

Zu oft (hauptsächlich in der zweiten Albumhälfte) wollen CARACH ANGREN schlichtweg zu viel Anspruch und Abwechslung in einen Song packen, und verzetteln sich dabei ein ums andere mal.
So verkommt die musikalische Höllenfahrt, nach sehr starkem Beginn, in ein nicht in sich stimmiges Konstrukt, das zum Ende hin sogar einer kleineren Bruchlandung im Orchestergraben gleichkommt.

Glücklicherweise kann aber zumindest die erste Albumhälfte überzeugen, kommen hier die CARACH ANGREN Kompositionen doch zwingend und beklemmend auf den Punkt und sind zudem eingängig wie selten.

Bei "Charlie", "Blood Queen", "Song for the Dead" und vor allem "Charles Francis Coughlan" zeigen CARACH ANGREN eindrucksvoll, welch Höchstleistungen sie imstande sind zu leisten, wenn sie sich auf ihre Stärken konzentrieren.

Fazit: CARACH ANGREN bieten auch auf Longplayer Nr. 5 einiges mehr, als die meisten anderen Bands in dieresem Genre, und liegen deshalb, trotz der eher unglücklich arrangierten zweiten Albumhälfte, immer noch, qualitativ gesehen, weit über dem Durchschnitt.
Trotzdem ist und bleibt "Dance and Laugh Amongst the Rotten" eine kontroverse Angelegenheit, die seine Anhänger, aber auch den ein oder anderen Verweigerer finden wird. (JK)

7 von 10

http://www.carach-angren.nl/
http://www.season-of-mist.com/

Montag, 24. Juli 2017

Konzertbericht ORDEN OGAN + MOB RULES + HUMAN FORTRESS - 9.7.2017 München - Backstage

Gun-Men aus Arnsberg lassen München schwitzen

Howdy. Kaum ist das neue Album "Gunman" drei Tage alt, schon reiten die 4 Desperatos von ORDEN OGAN durch deutsche Lande, um zum einen, ihren aktuellen Longplayer zu promoten, und zum anderen, gemeinsam mit MOB RULES und HUMAN FORTRESS erst gar keine Sommer-Blues aufkommen zu lassen.
Also schnell in die Kutsche (S-Bahn) gesprungen und sich vor den Salon des Vertrauens (Backstage) chauffieren lassen, um einen Blick auf Billy "The Kid" Levermann, Jesse James Kersting, Bob Dalton Löffler und Butch Cassidy Meyer-Berhorn zu werfen und sich dabei ein paar Bier hinter die Binde zu kippen. Yippie. (JK)

HUMAN FORTRESS

Eine halbe Stunde vor offiziellem Beginn legen die Hannoveraner HUMAN FORTRESS los. Ihr epischer Power Metal ist zwar keineswegs schlecht, will aber zunächst gar nicht zünden. Das liegt wohl daran, dass die Band zwei eher langsame Stücke als Auftakt gewählt hat.
HUMAN FORTRESS (© by metal-is-forever-alive)

Dass es aber auch anders geht, zeigt das Quintett um den sympathischen Sänger Gus Monsanto, der im Gegensatz zum Rest der Band, aus Brasilien stammt, mit dem dritten Song "Thieves of the Night", einem schnellen Song mit sehr eingängigem Refrain. Dass schnelle Songs hier deutlich besser funktionieren, zeigt auch "The Gladiator of Rome (Pt. II)". Schade nur, dass ausgerechnet bei diesem Song eine Gitarre ausfällt. Das Problem ist aber schnell behoben, und jetzt, da der Funke (zumindest teilweise) auf's Publikum übergesprungen ist, funktioniert auch das etwas langsamere "Rise or Fall". Zum Abschluss gibt es noch den Band-Hit "Defenders of the Crown" auf die Ohren, dann ist auch schon Schicht im Karton. Applaus gibt es auch, wenn auch nicht langanhaltend oder gar frenetsich. (RH)


MOB RULES

Nachdem der letzte Auftritt von MOB RULES in der bayerischen Landeshauptstadt (4.10.2016, hier der Link zum nachlesen), vom Publikumszuspruch her gesehen, eher bescheiden ausgefallen ist, findet der heutige Gig des Sextetts wieder reges Interesse.
So ist die Halle wirklich sehr gut gefüllt, als MOB RULES die Bühne betreten und mit "Black Rain" ihre knapp 60-minütige Show beginnen. Was MOB RULES beim letzten München-Besuch nahezu komplett verwehrt geblieben ist, lautstarke Unterstützung, ist heute von Anfang bis Ende gegeben.
                                                     
MOB RULES (© by metal-is-forever-alive)
Textsicher wird mitgesungen, dutzendfach die Pommesgabel gen Bühne gereckt und hier und da werden sogar die ersten fliegenden Mähnen des Abends gesichtet. Der mittig plazierte Doppelschlag, bestehend aus "Somerled" und "My Kingdom Come", nimmt dann auch noch die hinteren Reihen mit, sodass nun nahezu jeder seinen Beitrag zum Gelingen der Show beiträgt. 
Die schwül-warme Luft draußen und und das wilde Treiben in der schlecht belüfteten Halle verwandeln das Backstage nun allerdings innerhalb kürzester Zeit in die wohl lauteste Indoor-Sauna Münchens - Härtetest für jedes Deo inklusive. So kann am Ende in vielerlei Hinsicht vom perfekten Anschwitzen für den Headliner gesprochen werden.
Nach "Hollowed Be Thy Name" reichen MOB RULES den Staffelstab an ORDEN OGAN weiter und verabschieden sich tropfnass, vom ebenfalls in Schweiss gebadetem Publikum, das gleich im Anschluß daran, zur Theke hechelt, um sich Kaltgetränke einzuverleiben. (JK)

ORDEN OGAN

Da das aktuelle Album "Gunmen" der Arnsberger eine Western-Thematik behandelt, ist die Bühne dementsprechend dekoriert. Den Hintergrund bilden kleine Banner im Holz-Design mit aufgedruckten Pistolen. Und an den Seiten steht jeweils eine Cowboy-Statue mit rot glühenden Augen. Das sorgt schon mal für die passende Stimmung.

ORDEN OGAN (© by metal-is-forever-alive)
Als dann das Intro "Orden Ogan" aus den Boxen schallt, wird die Melodie von der gesamten Halle mitgesungen. Währenddessen betritt die Band die Bühne, und legt mit "To New Shores of Sadness" los. Allerdings ist es erstmal nicht leicht zu erkennen, welcher Song es ist, denn man hört zu Beginn nur das Schlagzeug. Der schlechte Sound stört die Fans aber nicht im geringsten, denn als zweites folgt mit "We Are Pirates" der wohl bekannteste Song der Band, der lautstark mitgesungen wird.
Da es sich heute aber eigentlich um eine Album-Release-Show von "Gunmen" handelt, verwundert es schon ein wenig, dass nun immer noch kein neuer Song folgt. Auch "Here at the End of the World" vom 2015er Album "Ravenhead" ist nicht wirklich brandneu. Als hätte Seeb die Gedanken der Fans gelesen, kündigt er nun "Gunman", den Titeltrack des neuen Albums an. Obwohl das Album erst vor zwei Tagen erschienen ist, scheinen die meisten Fans den Text bereits zu kennen, und der Song funktioniert großartig. Am Ende des Liedes gibt es einen lauten Knall und es regent Konfetti aus den Gewehren der Cowboy-Statuen. Es folgen zwei Songs von "Ravenhead", bevor mit dem traurigen "Fields of Sorrow" der nächste neue Track geboten wird. Auch dieses kommt super bei den Münchnern an. Anschließend bittet Seeb darum, die Feuerzeuge herauszuholen, da nun eine Ballade folgen würde. Mit "F.E.V.E.R." folgt allerdings einer der härtesten ORDEN OGAN Songs. So ist er, der Seeb, immer für einen Spaß zu haben.
                                                             
ORDEN OGAN (© by metal-is-forever-alive)
Leider kommen ORDEN OGAN nun schon zum letzten Song ihrer Show: "The Things We Believe In". Im Refrain schafft es die Band sogar noch, das komplette Backstage zum Springen zu bringen, was bei dieser Affenhitze in der Venue nicht ganz leicht ist. Und der von den Fans mitgesungene Ruf "Cold, Dead and Gone" im Refrain übertönt jetzt sogar die Band!
Als die Band danach die Bühne verlässt, scheinen die Fans recht ausgepowert zu sein, was bei dieser Hitze und nach dieser fantastischen Show aber auch nicht sonderlich verwunderlich ist. So muss die Band ihren Drumtechniker auf die Bühne bitten, um die Fans zu Zugaberufen zu animieren. Die kommen dann auch, und sogar ziemlich laut! Da lässt sich die Band natürlich nicht zweimal bitten, und kehrt noch einmal für das neue "Forlorn and Forsaken" auf die Bühne zurück. Als endgültigen Abschluss gibt es dann noch die "Mystic Symphony", bei der sich die Band mit Publikumschören ihr eigenens Fundament für den Refrain legt. Beeindruckend! Das wird dann auch mit tosendem Applaus belohnt, und nach einer erstklassigen Show, wie dieser heute Abend, überrascht auch Seebs Ankündigung nicht, dass man RHAPSODY OF FIRE als Vorband (!) für die nächste Tour gewinnen konnte. (RH)

Nach dieser Ankündigung verlassen die vier Gunmen die Bühne, packen ihre sieben Sachen zusammen und reiten dem Sonnenuntergang und neuen Abenteuern entgegen. (JK)

Den Gunmen auf die Finger geschaut haben für euch Jürgen (JK) und Raphael (RH)

Konzertbericht NIGHT DEMON + REVEREND HOUND - 16.5.2017 München/Backstage

Manche Bands sind einfach ohne Pause auf Tour. Selbst, wenn sie kaum einer kennt. Da kann es dann durchaus auch mal vorkommen, dass man nur vor 5 Leuten auftreten muss. So geschehen beim letzten NIGHT DEMON Konzert in München vor einem Jahr. Allerdings erweist sich die Tourfreudigkeit der Band (Sänger Jarvis Leatherby sagte kürzlich in einem Interview, dass er im gesamten ersten Halbjahr 2017 nur 10 Tage zuhause sein wird) hier als großer Vorteil. Denn, die Band lieferte trotz der wenigen Zuschauer eine fantastische Show ab. Das muss sich herumgesprochen haben, denn am heutigen Abend haben sich zu Beginn der Show mehr als 100 zahlende Gäste im Backstage Club eingefunden.

Einen nicht unwesentlichen Teil davon dürften allerdings auch die Münchner REVEREND HOUND dazu beigetragen haben, die heute als Opener auf dem Programm stehen.
REVEREND HOUND (© by The Discovered Land)

Das Quintett um Frontmann Wolfgang Gräbner hat ein paar verdammt geile Songs im Gepäck. Von schnellen Thrash-Songs ("Among the Pigs") bis hin zu melodischen True-Metal-Stampfern ("Heavy Metal Thunderstorm") ist hier einiges geboten. Aber auch die bisher noch unveröffentlichen Songs "Enter My Nightmare" und "Seeds of Faith", beides lange, epische Songs, können begeistern. Leider ist die Setlist nach nur sechs Liedern mit „The Way of the Gun“ bereits beendet. Da aber noch etwas Zeit ist, bevor der Headliner losgelassen wird, gibt es noch eine Zugabe: "Hell Is Here".

Wer jetzt dachte, dass REVEREND HOUND auf schnellen Sohlen unterwegs gewesen seien, der wird nun eines besseren belehrt - Kaum haben NIGHT DEMON die Bühne betreten, beweisen sie, dass ihre Show mit zu den energiegeladensten der gesamten Metal-Szene zählt. Mit "Welcome to the Night" vom aktuellen Album ("Darkness Remains") liefern NIGHT DEMON gleich zu Beginn ein Hochgeschwindigkeitsfeuerwerk ab, das sich gewaschen hat - ganz nach dem Motto des zweiten Songs "Full Speed Ahead". Dabei wirbeln die Musiker über die winzige Bühne, wie von der Tarantel gestochen. Abwechslung gefällig? Bitteschön: Eine Hochgeschwindigkeitsversion von BLACK SABBATHs "Turn Up the Night".
                                                                       
NIGHT DEMON (© by The Discovered Land)

Dass NIGHT DEMON aber nicht nur schnell spielen können, beweißen sie bei den lamgsameren Songs "Curse of the Damned" und "Stranger in the Room". Gerade bei letzterem wird allerdings ein Problem des heutigen Abends deutlich: Die Band hat die Verstärker auf der Bühne so laut aufgedreht, dass der Gesang etwas untergeht, was bei einem besonders auf seine Gesangslinien setzenden Song besonders auffällt. Aber das gleicht das US-Trio mit seiner ungeheuren Spielfreude, und den beeindruckenden Fähigkeiten an den Instrumenten wieder aus. Auch wenn NIGHT DEMON bisher ausschließlich auf ihre Musik gesetzt haben, wollen sie doch nicht gänzlich auf Show-Elemente verzichten, und so betritt zu "The Chalice" der bandnamengebende Dämon die Bühne, und reicht den im Song besungenen Kelch an das Publikum weiter.
Nach dem virtuosen Instrumental "Flight of the Manticore" beendet die Band mit einem weiterem ruhigen Song ("Darkness Remains") ihre reguläre Show.
NIGHT DEMON (© by The Discovered Land)
Natürlich lassen die Zugaberufe nicht lange auf sich warten, und die Musiker kehren noch einmal für drei Songs zurück, bevor sie nach "Night Demon" ein weiteres Mal die Bühne verlassen. Allerdings fordern die Fans lautstark eine weitere Zugabe, und so gibt es noch das IRON MAIDEN Cover "Wasted Years" als endgültigen Schlusspunkt.
Zum Schluß noch eine bemerkswerte (Hochgeschwindigkeits-)Statistik: NIGHT DEMON haben heute 18 (!) Songs in gerade mal 70 Minuten gespielt. Respekt! (RH)

Beim NIGHT DEMON / REVEREND HOUND Gig waren Raphael (RH) und Thomas (TG) vor Ort.

Sonntag, 23. Juli 2017

ATLANTEAN KODEX / "The Annihilation of Bavaria" / Van Records / 14 Tracks / 99:15 Min

Kinder suchen immer nach dem Geheimnis jenseits des Spiegels. Nur wir Erwachsenen begnügen uns mit unserer flachen Vordergründigkeit (Stanislaw Jerzy Lec).

ATLANTEAN KODEX -  Musik jenseits aller Konventionen.

Still und heimlich haben sich 5 Jungs aus der beschaulichen Oberpfalz den Epic Metal Thron unter den Nagel gerissen.

Wie kaum eine andere Band, die im Geiste alter MANOWAR, mittlerer BATHORY und den Größen des Dooms, auf  Seelenfang geht, verstehen es ATLANTEAN KODEX, ihren Songs nicht nur Leben einzuhauchen, sondern dem Ganzen auch noch eine Seele zu geben.

Diese Tatsache, gepaart mit der Leidenschaft für analoge Aufnahmetechniken und dem Talent großartige Songs schreiben zu können, haben den anfänglich müde belächelten Fünfer, binnen einer Dekade, zu etwas Außergewöhnlichem, etwas Besonderem reifen lassen.

Wer "The White Goddess" sein Eigen nennt, weiß wovon ich rede, wer ATLANTEAN KODEX zudem einmal live erleben durfte, umso mehr.

Mit "The Annihilation of Bavaria" stellen ATLANTEAN KODEX nun ein Live-Album (das 3. der Bandgeschichte) vom Auftritt im Kulturschloss Theuern ins Regal der Plattenhändler eures Vertrauens.
Drei Live-Alben in 10 Jahren? Zugeben, das hat was von Größenwahn. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass in dieser Zeitspanne gerademal zwei Studioalben (und 2 EPs) das Licht der Welt eblickt haben.
Schaut man jedoch genau hin, löst sich ein etwaiger Ausverkaufs-Vorwurf, ganz schnell im Nichts auf, gab es die beiden vorherigen Live-Aufnahmen doch nur in sehr kleinen Auflagen von 89 bzw 300 Stück.

So ist "The Annihilation of Bavaria" das erste Live-Dokument der Band, welches in "normal" üblicher Auflage erhältlich sein wird.
Auf annähernd 100 Minuten lassen ATLANTEAN KODEX dann auch nahezu keinen Wunsch unerfüllt.
Neben der Präsentation eines neuen Songs ("Kodex Battalions"), sticht dabei vor allem die Live-Umsetzung des "The White Goddess"-Albums (wird komplett gespielt) heraus.
Ebenfalls positiv: ATLANTEAN KODEX haben den Live-Character der beiden Shows (6. + 7.11.2015) nahezu unverfälscht auf den Tonträger (2 CDs + DVD bzw 2 LPs + DVD) gepresst, sodass man auch auf der heimischen Couch ständig das Gefühl hat, mittendrin statt nur dabei zu sein. (JK)


TRACKLIST
1. From Shores Forsaken  (9:31)
2. Pilgrim  (10:28)
3. Trumpets Of Doggerland (Intro)  (1:48)
4. Sol Invictus  (10:38)
5. Bilwis  (1:20)
6. Heresiarch  (9:05)
7. Twelve Stars And An Azure Gown  (7:50)
8. Der Untergang der Stadt Passau  (1:57)
9. Enthroned In Clouds And Fire  (7:15)
10. White Goddess Unveiled  (10:55)
11. The White Ship  (1:41)
12. Kodex Battalions  (4:05)
13. A Prophet In The Forest  (13:32)
14. The Atlantean Kodex  (7:51)


https://www.facebook.com/Atlantean-Kodex-187524197964771
http://www.van-records.de

Donnerstag, 20. Juli 2017

NEWS +++ NEWS +++ NEWS +++ NEWS +++



Am 15.9. erscheint ENSIFERUMs siebtes Album ("Two Paths") via Metal Blade Records. Die erste Single könnt ihr euch vorab hier anhören: http://www.metalblade.com/ensiferum/ +++ LORD OF THE LOST haben ebenfalls neues Material am Start: "Swan Songs II" erscheint am 6.10. via Napalm Records +++ DRUDKH haben gemeinsam mit PAYSAGE D'HIVER eine Split-EP aufgenommen. Die Ukrainer werden mit zwei Titeln vertreten sein, das Schweizer Ein-Mann-Project mit einem. "Somewhere Sadness Wanders / Schee (IV)" erscheint am 25.8. über Season of Mist als 12'' +++
CRIPPER on Tour: 15.9. Hannover / Subkultur, 20.10. Greifswald / Jugendzentrum Klex, 21.10. Hannover / LUX, 22.10. Köln / MTC, 27.10. Markneukirchen / Music Hall, 28.10. Berlin / Cassiopeia, 9.12. Andernach / JUZ +++ AVARARIUM on Tour: 15.9. Langen / Stadthalle, 16.9. Essen / Turok, 17.9. Nürnberg / Hirsch, 18.9. Berlin / Black Room, 19.9. Hannover / Musikzentrum, 20.9. Erfurt / From Hell, 21.9. Siegburg / Kubana, 26.9. Suttgart / Universum, 28.9. München / Backstage, 29.9. Wien / Viper Room +++

Montag, 17. Juli 2017

Vorankündigung: FREE & EASY FESTIVAL - 20.7. - 5.8.2017 München/Backstage

http://www.backstage.info/

Vorankündigung: SACRED REICH + KRYPTOS - 9.8.2017 München/ Backstage

https://brightlightconcerts.com/  

PATRIA / "Magna Adversia" / Soulseller Records / 10 Tracks / 40:35 Min


Vereist und versteinert werden wir uns weiter durch die Nächte quälen mit unseren sinnlosen Träumen, wie schemenhafte paranoide Maulwürfe, die sich für nichts und wieder nichts die Pfoten blutig scharren und am Ende eins werden mit ihren Löchern. Und das ist auch alles, was von uns eines Tages übrig bleiben wird; sinnlose, blutende Löcher in der Nacht (Charles Bukowski).

Man möge es mir verzeihen, aber bisher ist Brasilien nicht sonderlich auf der Black Metal Landkarte in Erscheinung getreten, sodass PATRIA mir persönlich bis heute gänzlich unbekannt gewesen sind.
Doch bereits wenige Minuten von "Magna Adversia" genügen, um sich zu fragen: Warum eigentlich? Die Jungs haben es nicht nur faustdick hinter den Ohren, sondern hinterlassen bereits nach dem ersten Hördurchgang einen bleibenden Eindruck.
Doubelbass-Salven, aggressives Riffing und heiserer Keifgesang -  das ist lupeneiner Black Metal, wie man ihn von der Second Wave aus Norwegen kennt. 
Doch damit nicht genug. "Magna Adversia" ist fucking abwechslungsreich. Denn wie schon Paracelsus wusste, kommt es auf die Dosierung an.
So haben PATRIA nicht nur einen montonen Bleifuß, was das Tempo betrifft, sondern treten zwischendurch auch mal (dezent) auf die Bremse, um Atmosphäre aufzubauen und der (zumeist) im Hintergrund wirkenden Melodie etwas mehr Raum zum atmen zu geben.
Gerade diese Mischung aus ruhigeren Passagen und den aufwühlenden, harschen Beats macht "Magna Adversia" hörenswert und hebt das Album aus der aktuellen Veröffentlichungsflut heraus.

Wer sich jetzt dazu berufen fühlt, die Brasilianer anzutesten, sollte als Erstkontakt "Axis", "Now I Bleed" und "Heartless" in Erwägung ziehen, da PATRIA hier am eindrucksvollsten ihr schwarzes Gift injizieren. (JK)

7.5 von 10

Hier noch etwas Hintergrundinformation zum Album:

"Magna Adversia" ist der sechste Longplayer der Band, welcher von Øystein G. Brun (BORKNAGAR) co-produziert (inkl. Mix und Mastering) wurde. Als Gastmusiker konnte Asgeir Mickelson (IHSAHN, BORKNAGAR, SARKE) verpflichtet werden und bei der Orchestration hatte Fabiano Penna (REBAELLIUN) seine Finger im Spiel.
Und last but not least, zeichnet sich Gitarrist Mantus für das Coverartwork verantwortlich, der unter seinem Grafiker-Pseudonym  Marcelo Vasco vielen von euch bekannt sein dürfte, hat er doch schon für namhafte Bands wie beispielsweise DARK FUNERAL, SLAYER, KREATOR gearbeitet.

https://www.facebook.com/patriaofficial

Freitag, 14. Juli 2017

Konzertbericht KYLE GASS BAND - 30.6.2017 München/Backstage

Zwei Blockflöten für ein Halleluja

Der Godfather of Rock 'n' Roll Comedy Kyle Gass hat sich mal wieder vom Reisefieber anstecken lassen und den Tourbus bestiegen. Wie üblich reist der Mann nur mit leichtem Gepäck - Flip-Flops, weiße Tennissocken, verwaschene T-Shirts, ausgeleierte Sport-Shorts und eine Akustik-Gitarre: mehr braucht es nicht, um der aalglatten Mainstreamwelt das Fürchten zu lehren.

Wer in seinem Leben schon ein Aufnahmestudio mit Szene-Gößen wie Ronnie James Dio, Meat Loaf und Dave Grohl geteilt hat, den bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Auch nicht die Wahrscheinlichkeit, dass weniger Tickets für einen Gig verkauft werden, wenn die Show komplett ohne Vorband(s) angekündigt wird.
KYLE GASS BAND (© by metal-is-forever)
Die KYLE GASS BAND leistet sich diesen Luxus trotzdem. Aber sind wir doch mal ehrlich, wer wäre denn überhaupt in der Lage, adäquat für jemanden eröffnen zu können, der mit seinem "Tribut"-Song (TENACIOUS D) sogar schon dem Teufel ein Schnippchen geschlagen hat?

Also ohne Vorprogramm. Und siehe da, selten so einen entspannten Pre-Konzertabend verbracht -  Einen Plausch hier, Shakehands dort, und zwischendrin die ein oder andere Hopfenkaltschale. 
Gegen 20.30 Uhr geht dann das Hallenlicht aus und unterbricht das gesellige Treiben erst einmal. Eigentlich schade, aber wir sind ja schließlich der Musik wegen hier, auch wenn ich gerne von der Dame hinter mir noch gewußt hätte, wie die Geschichte mit der Putzfrau, dem russischen Männerchor und dem Springseil ausgegangen ist.
Wie dem auch sein - KYLE GASS
 
Einer nach dem anderen, nehmen die 5 Masters of Beasts ihre Plätze auf der Bühne ein, grüßen einmal kurz ins Publikum, und schon kommt die Thundering Herd ins Rollen.
"Manchild" und "Gettin' the Band Back Together" wurden ausgesucht, um den heutigen Abend zu eröffnen.
Wird der erste Song noch ohne größere "Zwischenfälle" zum besten gegeben, bricht in der Folge der Kyle'sche Wahnsinn (hat übrigens nichts mit der Domstadt am Rhein zu tun) aus: Singen, tanzen, lachen - das kann nicht nur Babicka, wie Karel Gott meinte zu wissen, sondern mindestens genauso gut KYLE GASS.
                                                       
KYLE GASS BAND (© by metal-is-forever-alive)
Seine unwiderstehliche Mischung aus musizieren, Grimassen schneiden, "professionelem" Tanz (Riverdance kackt dagegen um Längen ab) und Interaktion mit dem Publikum sucht im Rocksektor momentan seinesgleichen, lässt man TENACIOUS D mal außen vor.
Und so jagt ein Highlight das andere: Jason Keene und seine Mundharmonika, Kyle's fliegender Kleidungswechsel, Mike Bray's Gitarrenspiel und Gesang, der steigende Alkoholpegel der gesamten Truppe (Whiskey, Bier und noch mehr Whiskey), zweistimmige Blockflötensoli, Kyle's Ausflug ins Publikum um Selfies zu machen, selbstkomponierte Songs (u.a. "Tremendous", "Road Chops", "Cakey"), sowie diverse Coverversionen (u.a. "Green Eyed Lady" / SUGARLOAF, "Vehicle" / THE IDES OF MARCH) ...

KYLE GASS (© by metal-is-forever-alive)

... nur die Gesangs- und Tanzeinlage des Drummers (Tim Spier) hätte nicht schon wieder sein müssen, wurde sie auf der letzten Tour doch schon in total identischer Ausführung gezeigt. Das BACKSTREET BOYS Gepiepse und Michael Jackson's Eiergriff sind in der x-ten Aufführung nämlich überhaupt nicht mehr lustig.
Ansonsten zeigt der Bewertungs-Daumen aber steil nach oben, was sich nach knapp zwei Stunden Spielzeit dann auch in langanhaltendem Applaus, seitens des Publikums, niederschlägt. (JK)